Digitales Schreiben – Schreiben in digitalen Umgebungen

Das Journal für Schreibberatung faßt in der Ausgabe 15 / 2018 Erfahrungen im Hochschulbereich zum Einsatz von Projekten zum gemeinsamen Schreiben zusammen. In einzelnen Aufsätzen werden Tools vorgestellt und die Integration in Lehre und Lernen diskutiert.

Ich hatte etwas völlig anderes erwartet und geglaubt, es gehe darum, wie man in digitalen Zeiten besser online schreibt. Das kommt auch drin vor als Ersterfahrung von StudentenInnen beim Verfassen von Blogbeiträgen. Aber insgesamt geht es wohl eher um den Einsatz von digitaler Software in der Lehre und im Unterricht.

Länderübergreifend, mehrsprachig und inhaltsübergreifend stellen sich die Beiträge in diesem Band vor. Wer mit Hochschulen und dem Einsatz von Software zu tun hat, der kommt hier gut in dieses Thema rein.

Für mich war es aber auch interessant zu erfahren, wie DozentenInnen heute den Einsatz sehen. Und da lande ich mitten in der Kontrollfunktion. Welcher Student, welche Studentin hat wann, wie lange und auf was zugegriffen? Das ist eine Kontrolle, die in meinen Augen aus dem Studium mit freiem Denken ein Studium der absoluten Angepaßtheit macht.

Wahrscheinlich stehe ich mit dieser Auffassung sehr allein da, aber so denke ich und die totale Verschulung durch diese digitale Lebensprotokollierung ist in China ja schon an der Tagesordnung.

Die Freiheit bleibt auf der Strecke, wenn das nicht mitgedacht wird. Das finde ich nicht im Heft aber vielleicht in einer der nächsten Ausgaben.

Insgesamt ist es sehr erhellend, weil es mir auch zeigt, daß mein Denken und meine Art des Studiums heute vorbei sind.

Hier schreiben neue Menschen mit einem neuen Denken, das digital geprägt ist und Funktionieren und Studieren in vielfältiger Hinsicht deckungsgleich machen.

So werden Steine im Getriebe schon digital per Software aussortiert und die scheinbare Objektivität der Funktionsdokumentation und Protokollierung setzt einen Rahmen, der neues Denken fast unmöglich macht.

Neben dieser großen Linie, die ich sehe, sind die Themen des Heftes dann doch sehr hilfreich.

Der Umgang mit digitalen Medien durch die Nutzung der historischen Methode zeigt, wie versucht wird, Informationen irgendwie zu durchdringen. Da Trump über Twitter kommuniziert als Propagandamittel, werden Historiker nicht drumherum kommen, sich damit zu beschäftigen. Umgekehrt wäre zu fragen, wenn Twitter abgeschaltet wird, was macht dann Trump?

„Bloggen als digitale Schreiberfahrung für Studierende“ ist ebenfalls ein sehr konkretes Beispiel dafür, wie man junge Menschen dazu bringt, immerwährend einen Teil ihrer Privatsphäre aufzugeben und sich einer anonymen Welt zu öffnen. Diese neue Grundkonstante unserer Zeit wird nicht hinterfragt sondern akzeptiert und so ist der öffentliche Mensch heute selbstverständlich. Aber das ändert nichts daran, daß es insgesamt ein sehr interessanter Beitrag ist, der zeigt, wie versucht wird, zumindest ein Bewußtsein dafür zu wecken, verantwortungsvoll mit öffentlichen Worten umzugehen.

Wie man an dem Text hier merkt, regt dieses Heft an. Ich höre hier auf und empfehle es Ihnen, wenn Sie diese Themen interessieren:

Das Journal der Schreibberatung erscheint im WBV-Verlag.

Franziska Liebetanz, Simone Tschirpke, David Kreitz, Leonardo Dalessandro (Hg.) JoSch – Journal der Schreibberatung 01/2018
Ausgabe 15 Digitales Schreiben